Naturverjüngung oder Aufforstung?

Eine Bestandesbegründung im Forst erfolgt heute meistens über Naturverjüngung. In manchen Fällen erweist sich jedoch eine Aufforstung als sinnvoll.
Natürverjüngung bei Tannen
Die jungen Tannen werden vom Altbestand vor Frost, Hitze und zu viel Sonneneinstrahlung geschützt. © Agrarfoto
Der Großteil der heimischen Holzernte erfolgt als Einzelstammnutzung. Man kann davon ausgehen, dass die Bestandesbegründung auf all diesen Flächen mittels Naturverjüngung erfolgt.

Warum Naturverjüngung?

In der forstlichen Praxis wird auch die Naturverjüngung als allgemein bevorzugte Methode angewendet. Dass die Naturverjüngung heutzutage die am meisten verbreitete Methode zur Bestandesbegründung ist, hat folgende Gründe:
  • Erhaltung und Weitergabe des gesamten lokalen genetischen Potentials der Altbäume.
  • Ständige Bodenbedeckung: Kein Austrocknen, wenig Nährstoffverlust.
  • Keine Kosten für Pflanzarbeiten und Pflanzmaterial.
  • Kein Verpflanzungsschock und eine ungestörte Entwicklung der Wurzeln.
  • Die jungen Pflanzen werden vom Altholz vor Hitze oder Frost geschützt. Gleichzeitig ist das günstig für schattenertragende Baumarten wie Tanne oder Buche, allerdings problematisch für die Lärche.
  • Durch sehr stammzahlreiche Verjüngungen hat man in der Pflege eine große Auslesemöglichkeit.

Naturverjüngung oder künstlich aufforsten?

Doch nicht immer ist die Naturverjüngung auch die beste Methode. Öfters muss man künstlich Aufforsten und manchmal ist eine Kombination aus beide Methoden am sinnvollsten.

Bei der Naturverjüngung wird das genetische Potenzial an die Nachkommen weitergegeben. Das ist allerdings nur wünschenswert, wenn der Altbestand verjüngungswürdig ist: Oft will man einen Baumartenwechsel oder das vorhandene Baummaterial ist nicht standortgerecht (z. B. falsche Fichtenherkünfte, die nicht an das Hochgebirge angepasst sind). Hier muss man den Bestand mittels Pflanzung begründen.

Auf großen Schad- oder Kahlflächen ohne fehlende Samenbäume wird man wohl ewig auf eine Verjüngung warten müssen. In diesem Fall muss man ebenfalls aufforsten. Auch bleiben in Naturverjüngungen oft Lücken bestehen, die man ausbessern muss. Um eine Aufforstung wird man auch nicht herumkommen, wenn man eine schnelle Wiederbegründung wünscht, oder wenn die Gefahren in der Jugend für die jungen Bäumchen groß sind: Etwa eine starke Konkurrenzvegetation durch unerwünschte Baumarten oder durch Verdämmung wie etwa bei der Lärche. Außerdem ist man bei der natürlichen Verjüngung auf Samenjahre und entsprechende Bodenvorbereitung angewiesen, was manchmal doch zu lange dauert.

Eine gewünschte Beimengung von nicht vorhandenem Wertholz wird man auch nur durch Pflanzung erreichen. Diese kann man dann auch besser gegen Konkurrenz und Wildschäden schützen, etwa Verbiss bei Laubbäumen und Verfegen bei Lärchen oder Douglasien.

Kahlschläge sind selten

Laut Holzeinschlagsmeldung werden in Österreich weniger als 5 % des Holzes mittels Kahlschlägen geerntet. Der weitaus größte Teil der Holzernte erfolgt als Einzelstammnutzung (Durchforstungen, Auflichtungen, Verjüngungseinleitungen o.ä.).